27.06.2010 – ein etwas spezieller segelflug
Wie jeden Morgen gehe ich mit meinem Hund spazieren. Diesmal entschliesse ich mich für die Route Flugplatz, um nicht immer dieselbe Runde drehen zu müssen. Es ist Samstag, und da gibt es oft einen Schwatz, wenn auf dem Platz etwas läuft. So begebe ich mich zum Startplatz, wo schon einige Piloten auf den Start warten. Es scheint heute gut zu werden, aber ich habe mich entschlossen nicht in die Luft zu gehen.
Das kommt Gerhard Wesp auf mich zu und fragt mich, ob ich mit ihm kommen möchte. Natürlich möchte ich das, und so bin ich schnell wieder daheim, übergebe den Hund meiner Frau, packe etwas Verpflegung und Getränk ein und bin zwanzig Minuten später wieder auf dem Platz.
Wo es denn heute hingehe, will ich wissen. „Ich habe einen Geheimplan“, meint Gerd. Er wolle heute alle Anrainerstaaten der Schweiz überfliegen. Ein ehrgeiziges Unterfangen, denke ich für mich. Wir starten um 11.05 und lassen uns Richtung Alpthal schleppen, wo wir klinken. Bald finden Anschluss und schrauben uns auf 2500 m hinauf, was uns ermöglicht gegen den Rautispitz vorzufliegen.
Am Säntis vorbei
Nun peilen wir Amden an und drehen ein Richtung Säntis, den wir aber nicht von oben sehen können, also geht’s weiter gegen das Rheintal, das wir auf der Höhe von Grabs überqueren. Die Drei Schwestern betrachten wir auch von unten, aber der Flugplatz Hohenems in Oesterreich liegt im Gleitwinkel. Beruhigend! Wir haben bei der Talquerung aber einiges an Höhe eingebüsst und fliegen trotzdem ins Grosse Walsertal ein. Hier will und will es vorerst nicht steigen und wir müssen eng am Hang fliegen um wenigstens die Höhe zu halten. Landemöglichkeiten hätten wir auf den verschiedenen Wiesen im Tal genügend, aber plötzlich hebt es uns doch über die Kanten der Hügel und wir können bequem Richtung Schröcken und den Widerstein vorwärts fliegen.

- Blick auf den Säntis
Blick Richtung Arlberg
Bald ist Oberstdorf sichtbar, das wir überfliegen und uns dann Richtung Arlberg davon machen. Nun haben wir eigentlich keine Mühe mehr. Sankt Anton am Arlberg zieht unter uns vorbei und im Nu sind wir an der Schesaplana. Damit haben wir mal drei Länder überflogen: Liechtenstein, Oesterreich und Deutschland.
Bei Jenins überqueren wir das Rheintal erneut und fliegen der nördlichen Krete des Vorderrheintals entlang Richtung Disentis. Unterwegs zeigen uns die Kollegen von der Gleitschirmsparte, wo es aufwärts geht. Von Disentis aus gehts weiter über Ambri Piotta, das Maggia- und das Bavonatal an den Basodino. Hier touchieren wir italienisches Staatsgebiet. Es fehlt also noch Frankreich. Also los, das Binntal hinunter und auf die nördliche Seite des Wallis. Wir haben keine Probleme, sind hoch genug und müssen praktisch kaum kreisen. Schön ist das Segelfliegen, wenn man genügend Höhe hat und einfach geradeaus fliegen kann.

- Blick Richtung Arlberg
In der Ferne grüsst das „Horu“
Von Sitten Tower erhalten wir die Genehmigung auf die südliche Talseite zu wechseln. Bald ist das Rhôneknie bei Martigny in Sicht und bei Châtelard verlassen wir die Schweiz um nach Chamonix vorzustossen, das wir elegant um- und überfliegen. Frankreich haben wir auch im Sack. Der Heimweg ist nur noch eine Formsache, wir haben genügend Höhe, um das Wallis hinauf zu fliegen und am Grimsel Richtung Hausen abzudrehen, das wir ohne weiteres Kurbeln um 18.30 erreichen.

- In der Ferne grüsst das 'Horu'
Wieder daheim, glücklich und zufrieden
Ein wunderschöner Flug mit herrlichen Aussichten auf die majestätischen Gipfel der Alpen.
Hans U. Schwendener
PS: Oft werden wir gefragt, ob wir dann während eines langen Fluges nicht mal auf die Toilette müssten. Wenn wir uns nicht zu helfen wüssten, müssten wir den Flug abbrechen. Wir verpflegen uns natürlich unterwegs mit dem Mitgebrachten und trinken viel Wasser. Wenn man dann halt mal muss, so behilft Mann sich mit einem Plastiksack oder eventuell Inkontinenzwindeln. Das funktioniert prima, nur darf man nicht dummerweise einen Sack nehmen, in dem vorher Salat verpackt war. Der hat bekanntlich manchmal Löcher und das hiesse nachher das Cockpit sauber putzen. Wie sich die Frauen in dieser Situation behelfen, ist mir unbekannt, aber es gibt ja auch Damen, welche sich auf lange Flüge begeben. Sie werden wissen, wie sie dieses Problem lösen können.

- ...wieder daheim!
